In der Oktober 2025 Ausgabe das Feuerwehr Magazin, habe ich eine Kolumne zum Satz „Das haben wir immer schon so gemacht.“ geschrieben:
„Das haben wir schon immer so gemacht.“ Viele von uns kennen diesen Satz nur zu gut – und er ist wie ein vertrautes Geräusch, das uns so lange begleitet hat, dass wir vergessen haben, wie befreiend es wäre, einmal echte Stille für neue Gedanken zu haben. Er wirkt wie ein altes Hintergrundrauschen, das jede frische Idee übertönt und die natürliche Evolution unserer Arbeit ausbremst. In der Feuerwehr, wo Kameradschaft und Erfahrung eine große Rolle spielen, wird dieser Satz manchmal als Schutzschild vor Veränderungen benutzt. Aber anstatt uns Sicherheit zu geben, blockiert er etwas ganz Wichtiges: unsere Fähigkeit, uns weiterzuentwickeln.
Denn eine Organisation, die sich nicht weiterentwickelt, bleibt stehen. Es geht dabei nicht um eine Revolution oder darum, Altes schlecht zureden. Es geht darum, sich regelmäßig Gedanken zu machen. Ich möchte betonen, dass es nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung geschieht. Was gestern gut war, kann heute unpassend sein – und morgen sogar hinderlich.
Der Mensch ist ein beeindruckendes Wesen, das sich immer wieder durch seine Anpassungsfähigkeit behauptet hat. Ohne Neugier, Mut und Veränderung würden wir noch immer auf Fellen am Höhlenfeuer sitzen. Auch die Feuerwehr hat sich weiterentwickelt – durch Technik, Ausbildung und Struktur. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass diese Entwicklung oft dann stockt, wenn neue Ideen mit einem einzigen Satz beiseitegeschoben werden. Dabei geht es längst nicht nur um Geräte oder Einsatzmittel. Es geht darum, wie geführt wird, wie ausgebildet wird, wie miteinander umgegangen wird. Und darum, ob die Organisation offen bleibt für neue Ideen – oder sich auf dem ausruht, was schon immer war.
In diesem Zusammenhang fällt auch nicht selten der Satz „Don’t touch a running system“. Er wirkt vernünftig – warum sollte man etwas ändern, das funktioniert? Aber auch funktionierende Systeme altern mit der Zeit. Wer hat auch noch das grüne oder orange Telefon mit Wählscheibe auf Omas Tisch in Erinnerung? Damals war es der letzte Schrei, heute ist es ein echtes Relikt. Es zeigt uns, wie schnell wir Wandel akzeptieren, wenn wir ihn erst einmal erlebt haben. Was heute noch läuft, kann morgen schon nicht mehr so sein. Ein funktionierendes System sollte niemals ein Denkverbot erzeugen. Es lohnt sich, es regelmäßig zu prüfen – einfach aus Interesse. Es ist wichtig, nicht nur zu fragen, ob noch alles läuft, sondern auch, ob es noch gut genug ist für das, was vor uns liegt.
„Es geht nicht darum, Altes abzulehnen – sondern darum, Bestehendes regelmäßig zu hinterfragen. Genau darin liegt der Fortschritt.“
Viele Veränderungen entstehen nicht, weil das Alte nicht mehr funktioniert, sondern weil sich Anforderungen ändern. Die jungen Leute, die heute zur Feuerwehr kommen, bringen großartige neue Ideen mit. Du hast Fragen, andere Werte und möchtest dich gerne beteiligen. Wer das ablehnt, nur weil man es früher anders gemacht hat, verliert den Anschluss. Und mit ihm vielleicht auch die nächste Generation an Engagierten.
Veränderung braucht nicht nur Mut, sondern auch Vertrauen. Vertraue auf Deine eigene Lernfähigkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Team vertrauen würdest. Und vertraue darauf, dass Fehler erlaubt sind – solange man daraus lernt. Eine Kultur der Offenheit, des Mitgestaltens und des kritischen Hinterfragens ist doch keine Schwäche, oder? Sie ist eine echte Stärke.
Wenn sich in Organisationen wie der Feuerwehr etwas verändern soll, dann funktioniert das besonders gut, wenn die Veränderung von innen kommt. Also, wenn sie aus der Mitte der Mannschaft heraus entsteht. Wenn man den Sinn dahinter erkennt und sich einbezogen fühlt, nehmen Menschen Veränderungen leichter an. Das heißt aber nicht, dass jede Entscheidung basisdemokratisch getroffen werden muss. Aber es heißt, dass der Weg zur Veränderung transparent und nachvollziehbar sein sollte. Wenn du früh Bescheid weißt, wenn du verstehst, warum sich was ändert, und wenn du die Möglichkeit hast, dich einzubringen, dann wirst du weniger Widerstand leisten und mehr Engagement zeigen.
Wenn also beim nächsten Vorschlag für einen neuen Ablauf, ein neues Fest oder eine andere Übungsmethodik wieder jemand sagt: „Das haben wir schon immer so gemacht“, dann lohnt es sich, kurz innezuhalten. Ich würde gerne die Frage aufwerfen, ob es vielleicht nicht doch noch einen anderen, besseren Weg gibt. Oder machen wir es nur so, weil es eben bequem ist?
Wer den Mut hat, diese Frage zu stellen, macht den ersten Schritt. Nicht gegen die Tradition – sondern für eine Feuerwehr, die sich weiterentwickelt, mit der Zeit geht und auch morgen noch professionell, wirksam und verantwortungsbewusst handeln kann, so wie sie es schon immer gemacht hat.
Wie ist es bei dir? Bestimmt hast Du den Satz auch schonmal gehört, oder?

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